Mit dem Begriff „Sütterlinschrift“ verbinden viele Menschen heute die „deutsche Schrift“.
Das ist aus zwei Gründen nicht korrekt:


Zum einen gab es eine Vielzahl unterschiedlicher Schriften und die deutsche Sütterlinschrift war nur eine davon, zum anderen hat Sütterlin nicht nur eine deutsche, sondern auch eine lateinische Schulschrift entworfen.
Sütterlin war ein Kunsterzieher, dessen Arbeit von einem ästhetischen Motiv getragen wurde. Die Sütterlinschrift wurde ab 1915 in Preußen eingeführt. Sie begann in den 1920-iger Jahren die bis dahin übliche Kurrentschrift abzulösen.

Folgende Punkte sind erwähnenswert:

  • Hatten alle anderen Schriftvorlagen eine Rechtsneigung unterschiedlichen Grades, so zeichnet sich die Sütterlinschrift durch ihre völlig senkrechte Stellung aus.
  • Ein weiteres Merkmal liegt an der Anpassung der Größenverhältnisse von Oberlänge, Mittelband und Unterlänge auf die Proportion von 1:1:1.
  • Während es in der deutschen Schrift üblich war, Sitzfedern und Breitkantfedern zu benutzen und im Schwellzug oder Wechselzug zu schreiben, führte Sütterlin die Pfannenfeder ein, die nur einen Gleichzug der Schrift ermöglichte.

Wurde Sütterlin schon 1928 an fast allen Schulen geschrieben, so wurde die Sütterlinschrift 1934 auf Weisung des Reichserziehungsministeriums verbindlich.
Durch einen Erlass von 1941 wurde die deutsche Schrift abgeschafft und zwar sowohl die Druckschrift (Fraktur) als auch die Schreibschrift.
Hitler war der Auffassung, dass die sogenannte gotische Schrift aus „Schwabacher Judenlettern“ aus dem 15. Jahrhundert bestehe und von den Juden eingeführt worden sei. (Dabei durften Juden überhaupt nicht in Druckereien arbeiten, geschweige denn eine solche besitzen. Die strengen Zunftvorschriften behielten das ausschließlich Christen vor.)

Am 1.9.1941 wurde für deutsche Schulen die „Deutsche Normalschrift“ eingeführt, eine lateinische Schrift.

Die Einführung der lateinischen Schrift an deutschen Schulen fand keineswegs aus pädagogischen Gründen statt. Im November 1941 äußerte Hitler sich wie folgt: „Unsere Sprache wird in 100 Jahren die europäische Sprache sein. Die Länder des Ostens, des Nordens wie des Westens werden, um sich verständigen zu können, unsere Sprache lernen. Die Voraussetzung dafür: An die Stelle der gotisch genannten Schrift tritt die Schrift, welche wir bisher die lateinische nannten.“

Ein ganz praktischer Grund für die Einführung der lateinischen Schrift während des Krieges war, dass so die Bekanntmachungen und Befehle der deutschen Besatzungsbehörden überhaupt von den Menschen gelesen werden konnten (jedenfalls sofern in den Ländern nicht mit kyrillischen oder griechischen Buchstaben geschrieben wurde).